
Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir ständig versuchen, etwas zu beweisen. Dass wir alles richtig machen müssen. Dass wir stark, erfolgreich, organisiert, produktiv sein müssen – und dabei am besten noch glücklich und ausgeglichen wirken. Als dürfte man nichts aufgeben, nichts verändern, nichts loslassen. Und ich merke auch bei mir persönlich, wie sehr mich dieser Gedanke manchmal begleitet. Dieses Gefühl, alles im Griff haben zu müssen. Alles perfekt machen zu wollen. Als gäbe es irgendwo eine unsichtbare Messlatte, an der wir ständig gemessen werden. Aber wenn ich ehrlich darüber nachdenke, frage ich mich immer öfter: Wem wollen wir eigentlich etwas beweisen? Jeder Mensch trägt seine ganz eigene Geschichte mit sich. Seine Herausforderungen, seine Zweifel, seine kleinen und großen Kämpfe. Was für die eine oder den einen leicht wirkt, kann für jemand anderen unglaublich schwer sein. Und umgekehrt erleben wir alle Momente, in denen etwas gelingt, in denen wir stolz sind oder einfach spüren, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Leben verläuft selten geradlinig – Prioritäten können sich verändern. Manchmal merken wir, dass etwas nicht mehr zu uns passt, oder wir müssen Entscheidungen treffen, die von außen vielleicht nicht jede:r versteht. Aber genau das gehört zum Leben dazu. Wir dürfen Dinge loslassen, neu beginnen, Pausen machen oder unsere Richtung verändern. Perfektion ist dabei oft nur eine Illusion. Sie setzt uns unter Druck und lässt uns glauben, wir müssten immer mehr leisten, immer besser sein. Dabei sind es oft gerade die unperfekten Momente, die unser Leben echt und menschlich machen. Die Augenblicke, in denen wir innehalten, nachdenken oder einen neuen Weg einschlagen. Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, alles perfekt zu machen. Sondern vielmehr darum, herauszufinden, was für uns persönlich richtig ist. Was uns erfüllt. Was uns Kraft gibt. Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Mit seinen eigenen Aufgaben, seinen eigenen Erfolgen, seinen eigenen Glücksmomenten. Und genau das macht unser Leben so vielfältig und einzigartig. Ich wünsche euch mit dieser Ausgabe viele Gedankenanstöße, Inspirationen und kleine Auszeiten vom Alltag. Vielleicht erinnert sie euch – genau wie mich – immer wieder daran, dass wir nicht perfekt sein müssen. Sondern einfach wir selbst.

Editorial N°22
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